Manche Werkzeuge begegnen uns und sind interessant. Andere berühren etwas in uns, das sich nur schwer in Worte fassen lässt.
So ging es mir mit dem Medizinrad.
Ich habe es im Rahmen meiner zweijährigen Ausbildung „Der schamanische Weg für Frauen“ bei Sabina Kiesel kennengelernt. Seitdem begleitet mich dieses besondere Werkzeug intensiv: in meiner persönlichen Entwicklung, in meiner Sichtweise zur Natur und Verbundenheit und zunehmend auch in meiner Arbeit als Coach.
Sun Bear und die Vision des Medizinrads
Sun Bear, der mit bürgerlichem Namen Vincent LaDuke hieß, wurde 1929 im White Earth-Reservat in Minnesota geboren. Seine familiären Wurzeln verbanden Ojibwa- und europäische Herkunft. Er war Medizinmann der Chippewa, Autor und Begründer der Bear Tribe. Die von ihm gegründete Gemeinschaft stand sowohl Menschen indigener Herkunft als auch Interessierten anderer kultureller Hintergründe offen.
Zusammen mit Wabun Wind, seiner engen Vertrauten, veröffentlichte er 1980 das erste Buch zum „Medizinrad“. Bereits zehn Jahre später ist es in mehr als neun Sprachen erschienen. Ende der 1970er Jahre berichtete Sun Bear von einer Vision, die zur Grundlage dieses und weiterer Werke wurde. Er beschrieb darin einen großen Kreis aus Steinen, dessen Anordnung an ein Rad mit Speichen erinnerte und einen weiteren Kreis im Inneren umschloss. Seiner Überzeugung nach hatte diese Anordnung von sechsunddreißig Steinen unzählige Bedeutungen.
Er betonte in seinen Werken, dass sein „Medizinrad“ den Steinanordnungen, die auf unserem Planeten verteilt sind, ähneln. Sun Bear verdeutlichte, wie wichtig Räder bzw. Kreise den indigenen Völkern Amerikas waren. Vor allem erinnerten sie sie alltäglich an ihre Überzeugung, dass alles mit allem verbunden ist. Und zwar nicht nur die Menschen untereinander, sondern auch die Verwandtschaft der Menschen mit den Mineralien, Pflanzen und Tieren der Erde. In Sun Bears Verständnis kann das Medizinrad dabei helfen, die Menschen an diese Verbundenheit, die in der Vergangenheit vorhanden war, zu erinnern. Er verstand das „Medizinrad“ als eine „selbst entstandene Zeremonie“, die mit Verständnis, Respekt und Sanftmut zelebriert werden muss. Dabei geht es um die Qualitäten sich selbst gegenüber, aber auch allem um uns herum.
Seiner Überzeugung nach kann man mit Hilfe des Medizinrades mit den Energien des Universums in Kontakt kommen, inneres Gleichgewicht und Harmonie finden und für das Leben wichtige Veränderungen bewirken. Seiner Darstellung zufolge kann auf diese Weise eine bessere Welt entstehen. Zusammenfassend nennt Sun Bear „[die] Essenz des Medizinrads […] Bewegung und Veränderung“ (vgl. [1], S. 19).
Buchtipps
[1] Sun Bear & Wabun. (Dezember 2005): Das Medizinrad. Eine Astrologie der Erde (2. Aufl.). Goldmann. ISBN 3-442-21740-7
[2] Sun Bear, Wabun Wind, Crysalis Mulligan (April 1997): Das Medizinrad Praxisbuch. Übungen zur Heilung der Erde (völlig überarbeitete Taschenbuchausgabe). Goldmann. ISBN 3-442-13237-1
Meine Begegnungen mit dem Medizinrad
Im Juli 2025 lernte ich das Medizinrad nach Sun Bear im Rahmen meiner zweijährigen Ausbildung „Der schamanische Weg für Frauen“ bei Sabina Kiesel kennen. Sie reiste in die USA und begegnete Sun Bear persönlich sowie lebte und arbeitete eine Zeitlang in der Gemeinschaft Bear Tribe.
Sabina vermittelte uns ihr umfangreiches Wissen über das Medizinrad und gab uns durch verschiedene praktische Übungen die Möglichkeit, erste eigene Erfahrungen damit zu sammeln. Diese beinhalteten u.a. die Wahrnehmung der Energien bzw. -dichten sowie die verschiedenen Möglichkeiten der Arbeit mit dem Medizinrad, ob bewusst oder intuitiv geführt. Dazu nutzen wir das vorhandene große Medizinrad auf dem Gelände des Seminarhauses und legten ein klassisches aus mitgebrachten Steinen. Ich war sofort gefesselt von diesem Werkzeug. Neben der klassischen Variante lassen sich Räder aus allen möglichen Naturmaterialien wie bspw. Zapfen, Muscheln, oder Blumen legen.

Neben der Anwendung nach Sun Bear nehme ich diese Zeremonie (heiligen Raum) als sehr mächtig, wertvoll und universell wahr.
In der kurzen Zeit nutze ich es intensiv zur persönlichen Weiterentwicklung durch Studium der Bücher von Sun Bear und eigenen Erfahrungen. Begonnen habe ich mit den Erläuterungen der „Geburts- oder Anfangsposition“, die durch den Zeitpunkt der Geburt bestimmt ist. Die Übereinstimmung mit meinem Erleben und meinem Wesen hat mich überrascht. Viele Aha-Momente verdanke ich diesen Ausführungen.

Der ewige Kreislauf
Alles ist in Zyklen oder Zirkeln aufgebaut: im Kleinen wie im Großen. Der Tag folgt dem Sonnenlauf vom Sonnenaufgang zum höchsten Stand der Sonne über den Sonnenuntergang und abschließend zum Sonnenlicht, das vom Mond reflektiert wird.
Der Monat, der nicht mehr dem Stand des Mondes (Neumond, Halbmond, Vollmond) folgt. Das Jahr, das in vier Jahreszeiten eingeteilt ist und das sich nach der Natur richtet und ihrer Veränderungen übers Jahr hinweg. Das Leben, beginnend mit der Geburt über das Kindsein, das Heranwachsen zum Erwachsenen, zum erfahrenen Alter und schließlich zum Tod, der genauso natürlich ist wie das Leben selbst.
Jeder Lebensabschnitt ist wichtig und richtig. Wir Frauen haben zusätzlich unsere eigenen Zyklen entsprechend unseres Körpers. Beginnend mit der Blutung, eine Zeit, in der wir uns am liebsten verkriechen möchten (Norden, Neumond), aber auch der großen Reinigung hinzu der Erneuerung, (Neu-)Geburt im Osten (zunehmender Mond) zum Eisprung (Süden, Vollmond), in dem das sexuelle Verlangen erhöht ist und wir Bäume ausreißen könnten zur zweiten Zyklushälfte, in der wir sehr gut Gehaltsverhandlungen führen können, weil wir selbstbewusst sind und wissen, was wir wert sind (Westen, abnehmender Mond) bis hin zur nächsten Blutung, die den Zyklus schließt und einen weiteren einleitet.
Umso mehr fasziniert mich das Medizinrad, weil ich so viele Synchronizitäten und Übereinstimmungen wahrnehme.
Jeder Position auf dem Medizinrad ist neben einer Pflanze, einem Tier, einer Farbe auch ein Mineral zugeordnet. Als ich das erfuhr, war mir als Mineralien-Liebhaberin sofort klar, dass ich ein kleines, also ein solches Medizinrad to go haben möchte. Noch ist es nicht vollständig. Einige Positionen fehlen noch.

In meinem Coaching möchte ich das Medizinrad zunächst als Werkzeug nutzen, um den Standpunkt bzw. aktuellen Ausgangspunkt der Klientin zu bestimmen. Außerdem möchte ich mit Hilfe des Medizinrads herausfinden, was die Klientin trägt, aber auch was ihr gerade fehlt. Des Weiteren kann es bei der Orientierung bei Neuausrichtung helfen, sowie wenn die Klientin sich selbst besser verstehen möchte.
Ich plane das Medizinrad kleinen Gruppen in Form eines Tagesretreats näher zu bringen, die der Natur und ihrer Umwelt mit Respekt und Wertschätzung begegnen. Am Höhepunkt der Naturwanderung legen wir zusammen in einem Ritual ein Medizinrad aus gesammelten Naturmaterialien.
Ich spüre, dass meine bisherigen Erfahrungen nur der Anfang einer großartigen Zusammenarbeit darstellen und dass dieser Beitrag nur der erste von vielen sein wird, die das Medizinrad zum Thema haben.

